Entspannt an lockerer Leine

Warum zieht Ihr Hund überhaupt?

Hund Mops schaut unglücklich Kind zieht an Leine

Gelingt es Ihnen, entspannt mit Ihrem angeleinten Hund spazieren zu gehen? Oder gleicht die Gassi-Runde eher einem unfreiwilligen Tauziehen?

Es gibt viele verschiedene Gründe, warum Hunde an der Leine ziehen, und vielleicht noch mehr Übungen und Trainingstipps, um dem Hund das Ziehen abzugewöhnen. Dabei machen nicht wenige Menschen die Erfahrung, dass eigentlich nichts davon wirklich dauerhaft hilft. Warum ist das so?

Ich beobachte häufig, dass ein wichtiger Grund für das Leine-Ziehen übersehen wird: die Grundaufregung des Hundes. Ein Hund, der total aufdreht so bald es aus dem Auto oder der Haustür raus geht, ist gar nicht in der Lage, länger als eine halbe Sekunde mit seiner Aufmerksamkeit bei seinem Menschen zu sein. In diesem überdrehten Zustand kann ein Hund nichts lernen, egal wie gut die Trainingsstrategie an sich auch sein mag. Deshalb ist in solchen Fällen der erste und entscheidende Schritt zu einem Laufen an lockerer Leine die Entschleunigung. Statt der Verknüpfung „Spaziergang = Aufregung“ darf der Hund lernen, dass "Spaziergang" von heute an "Ruhe und Entspannung" bedeutet.

Dabei ist der Mensch ein wesentlicher Faktor. Wie oft bin ich selber angespannt oder in Eile, wenn ich „noch schnell“ mit meinen Hunden raus gehe! Oder ich freue mich darauf, nach draußen und ins Grüne zu kommen, und kann es gar nicht abwarten, endlich dort zu sein. Aber wie kann ich von meinem Hund erwarten, ruhig und entspannt zu sein, wenn ich es selber nicht bin? Hunde haben eine so feine Wahrnehmung für unsere Gefühle und übernehmen oft blitzschnell unsere eigenen Stimmungen.

Deshalb ist die gute Nachricht (oder die schlechte, je nachdem wie Sie es sehen wollen): Der Spaziergang fängt mit meiner inneren Haltung an. Zum Glück können wir Menschen, genau wie unsere Hunde, lernen, langsamer und achtsamer unterwegs zu sein.

Und wie geht das jetzt mit der Entschleunigung?

Zum Beispiel, indem Sie beim Spaziergang bewusst schlendern oder trödeln. Allerdings genügt das nicht in allen Fällen. Manchmal ist eine drastische „Power-Entschleunigung“ notwendig. Das kann bedeuten, dass man am Anfang eigentlich so gut wie gar nicht mehr von der Stelle kommt. Aber keine Sorge: wenn der neue Ruhe-Modus mal verinnerlicht ist, dann wird es auch wieder was mit dem spazieren gehen.

Und dann sind Sie dem Trainingsziel "lockere Leine" schon ein wesentliches Stück näher gekommen.

 

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